Hobbypaare auf "Seitensprung"
Beim Après-Tanzen kam bei unseren Hobbypaaren spontan die Idee auf, in den Sommerferien eine gemeinsame Tänzer Wanderung zu unternehmen, da dem Club die städtischen Hallen bis auf Clubraum 005 im August nicht zur Verfügung stehen. Am Sonntag, den 23. August war es so weit - hören wir von Tanja Feller, der Organisatorin, was geschah:
Sonntagmorgen 23. August 9 Uhr: Sammeln vor dem Clubheim 005. Die meisten Tänzer sind pünktliche Leute, so dass wir – für den ein oder anderen noch mitten in der Nacht – zeitig in einer Autokolonne Richtung Pfalz aufbrechen. Ohne Verluste erreichen wir gegen 10 Uhr das idyllische Pfälzerdorf St. Martin, das mit seinen zahlreichen Cafes und Weinschenken ideale Einkehrmöglichkeiten für ein zweites Frühstück bietet. Aber nein, der Anstieg zum höchsten Berg der Pfalz (Kalmit 673 m) liegt vor uns und wer ein echter Sibyllaner ist, der bezwingt zunächst den Gipfel und rastet oben. So marschieren wir los im Dreivierteltakt, biegen in der Tanzstrasse nach einem kurzen Fotostopp ab (ja, die gibt es in St. Martin tatsächlich, wir haben das Schild aber hängen lassen) und nehmen strammen Schrittes die ersten 450 Höhenmeter bis zum Felsenmeer – was tut man nicht alles für knackige Tänzerwaden…
Wenn Tänzer wandern: Tanzstraße in St. Martin
Die Sibylla-Wandergruppe in der Tänzerstraße
Inspiriert von den durchtrainierten Oberkörpern zweier Kletterer, die über Weichbodenmatten (wie uncool!) ihre Kletterzüge zu perfektionieren suchten, gehen so manche Tänzer ebenfalls auf Tuchfühlung mit dem Fels. Mathias Neumann und Anja Öhler erproben sich unter fachkundiger Anleitung des Hobbytänzers Frank Feller in der Felskletterei. Wir lernen: Freeclimbing ist nicht weiter schwer, es bedarf nur der richtigen Fotomontage (man ersetze Weichbodenmatte durch Abgrund) und auch unsere Aufnahmen sehen bestimmt spektakulär aus.
Tänzer "am Abgrund": Matthias gibt alles
Auf dem Gipfel des Kalmit machen wir Rast und genießen die Aussicht in die Rheinebene. Frisch gestärkt beschließen wir kollektiv die Tour noch etwas auszudehnen und wählen den Rückweg über das Hambacher Schloss. Anfahrt und Parkticket sollen sich schließlich lohnen. Immerhin mussten wir für den Parkplatz ein Tagesticket lösen und in Zeiten der Wirtschaftskrise empfiehlt es sich, den Freizeitnutzen stets zu optimieren. Auf steinigen Waldwegen erreichen wir nach einer Stunde gemütlichen Gehens das Hambacher Schloss.
Die Wiege der deutschen Demokratie liegt vor uns und wartet darauf, erkundet zu werden. Wir geben uns jedoch mit den Außenmauern zufrieden und investieren das Eintrittsgeld lieber in ein kühles Eis während Felix Stolz den Unwissenden unter uns Nachhilfe in neuer deutscher Geschichte erteilt:
1832 wurde die Schlossruine durch die viertägige Protestveranstaltung von etwa 30.000 Menschen zum Schauplatz der frühen Demokratiebestrebungen auf deutschem Boden. Anlass war die Unzufriedenheit der pfälzischen Bevölkerung über Repressionsmaßnahmen der bayerischen Verwaltung. Die bayerische Obrigkeit hatte eine strenge Zensur eingeführt und politische Kundgebungen verboten. Die Organisatoren gaben die Protestveranstaltung deshalb als „Volksfest“ aus. Seit jenem Fest gilt das Hambacher Schloss als Sinnbild der Demokratie in ganz Deutschland.
Geschichte pur: Das Hambacher Schloss
Wir haben es schon immer gewusst, tanzen bildet. Nachdem wir unsere Bildungslücken erfolgreich gestopft haben, schlendern wir durch Weinberge zurück nach St. Martin. Zu unserer Freude sind die ersten Trauben schon reif, was den Rückweg etwas in die Länge zieht und unseren bislang guten Wanderschnitt drückt. Dank unserem Profiwanderer Hans-Jörg, der unsere Strecke mittels GPS aufgezeichnet hat, können wir stolz auf knapp 20 Kilometer Wegstrecke zurückblicken. Ganze 700 Höhenmeter haben wir nun in unseren Tänzerbeinen. Eine wohlverdiente Einkehr in St. Martin rundet den Tag ab.



